Historisches
Geschichte der CDU (aus CDU Dokumentation, 4. Auflage 1972)

In Rheinland und Westfalen

Köln

17.Juni 1945
Eine Konferenz von 18 ehemals führenden Zentrumsmitgliedern beschloß einmütig auf eine Wiederbegründung des Zentrums zu verzichten, das praktisch - allerdings gegen den Willen vieler seiner Exponenten - eine rein katholische Partei war. Jetzt sollte nach Auffassung aller Versammlungsteilnehmer eine überkonfessionelle christlich-demokratische Partei geschaffen werden. Die Konferenz beschloß ferner: Eine Programmkommission soll im Dominikanerkloster Walberberg bei Köln die grundsätzlichen Ziele der neuen Partei zusammenstellen. Zuvor sollte mit evangelischen Persönlichkeiten Fühlung aufgenommen werden. An der Versammlung im Kölner Kolpinghaus nahmen neben Dr. Leo Schwering, Schaeven, Dr. Scharmitzel und Dr. Warsch folgende Persönlichkeiten teil: Oberpostpräsident Joseph Baumhoff, früher Vizepräsident des Preußischen Landtages, Dr. Mathilde Gescher, Berufsschuldirektorin, Sybille Hartmann, Jugendpflegerin, Bernhard Günther, Elektromeister, Joseph Helmig, Gewerkschaftssekretär, Clemens Hastrich, Dr. Josef Hofmann,Schriftleiter, Alfred Keller, Handwerksmeister, Joseph Kuner, Angestellter, Johann Pimpertz, Betriebsleiter des Kolpinghauses, Peter Schlack, Genossenschaftsleiter, Dr. Franz Eberhard Welty, Dominikanerpater, Franz Wiegert, Arbeiter, Gewerkschafter, und Dr. Karl Zimmermann, Schriftleiter und Geschäftsführer der Gesellenvereine.
Als erste namhafte evangelische Christen nahmen an den folgenden Beratungen des Kölner Kreises teil: Pastor Hans Encke, der nach dem Kriege zum Superintendenten gewählt wurde; er stand früher den religiösen Szialisten nahe und gehörte der Bekennenden Kirche an. Dazu kamen: Rechtsanwalt Dr. Fritz Fuchs, früher Landtagsabgeordneter der Demokratischen Partei, Bankier Dr. Pferdmenges, Syndikus Dr. Schlochauer und Erika Voigt, Sekretärin des Besitzers der ehemaligen liberalen "Kölnischen Zeitung", Neven DuMont.

23.Juni 1945
In Walberberg begannen die Beratungen über ein Parteiprogramm. Die Kommission bestand aus Leo Schwering (Leitung), dem aus Berlin nach Köln zurückgekehrten christlichen Gewerkschafter Johannes Albers, Hans Encke, Fritz Fuchs, Sybille Hartmann, Josef Hofmann, Peter Josef Schaeven, Theodor Scharmitzel, Peter Schlack, Wilhelm Warsch, Karl Zimmermann.

1.Juli 1945
In Walberberg wurden die Programmberatungen abgeschlossen. Angenommen wurde ein "Vorläufiger Entwurf zu einem Programm der Christlichen Demokraten Deutschlands" (Kölner Leitsätze).
Der erste der 20 Leitsätze forderte die Anerkennung der Würde des Menschen, die das NS-Regime mit Füßen getreten hatte. Die nächsten verlangten den Schutz der Familie, die Wiederherstellung des Rechtsstaates, der Meinungs- und Vereinsfreiheit, der religiösen Gewissensfreiheit. Neben der Bekenntnisschule wurde auch die christliche Gemeinschaftsschule mit konfessionellem Religionsunterricht anerkannt. Das Recht auf Eigentum ist zu verbürgen, aber wo das Gemeinwohl es fordert, soll Gemeineigentum geschaffen werden.
Ziel der Wirtschaft müsse die Bedarfsdeckung sein. Die Vorherrschaft des Großkapitals soll gebrochen werden. Klein- und Mittelbetriebe, Handwerk und Bauernstand, Gewerkschften und Genossenschaften sind zu fördern.